147 Tage, 9 Länder – Rajasthan

Nach einer 23 Stunden langen Zugfahrt erreichten wir Udaipur im Staat Rajasthan.
Udaipur ist auch bei den Indern ein ziemlicher Touristenmagnet, da die Stadt aufgrund der Seen und Schlössern sehr romantisch ist. Es wird auch gerne als Venedig Indiens bezeichnet. Aber unserer Erfahrung nach hinkt der Vergleich doch etwas sehr. Dennoch ist die Stadt für indische Verhältnisse nicht nur wegen den vielen kleinen Wandmalereien sehr schön und haben die Zeit sehr genossen.
Hier sahen wir uns den Stadtpalast an. Der Familie des Maharajas gehören nach wie vor die drei Hauptpaläste, die je nach Jahreszeit im Sommer, Winter oder zur Monsunzeit genutzt wurden. Zudem werden sie aber auch als Museum und als Hotel genutzt. Im Palast finden sich auch viele Elemente aus anderen Ländern, wie z.B. ein riesen Gemälde aus Deutschland oder Christbaumkugeln an der Decke aus England, die bei uns fast ein bisschen Vorweihnachtsstimmung auslösten 😉
Von den Einheimischen wird der See allerdings wieder einmal gern als Mülleimer genutzt. Als wir an einem „Steg“ saßen, kam ein kleiner Junge mit einer Schachtel, die er samt Elektrogerät-Inhalt einfach ins Wasser warf und seinem Untergang erfreut zusah.
Neben der Zeit, die wir für die Bargeldbesorgung und für Sightseeing genutzt haben, machten wir einen Kochkurs. Bei diesem Kurs lernten wir neben dem klassischen Chai-Tee kochen, Chapati- und Parathabacken auch klassische rajasthanische Gerichte. Am Ende durften wir natürlich alles verspeisen :).
An einem anderen Tag entschlossen wir uns einen Reitausflug zu machen. Mit einem Van wurden wir zu einem Reithof außerhalb der Stadt gebracht. Nachdem wir bezahlt hatten bestiegen wir jeweils unsere zwei bereitstehenden Pferde. Und los ging es, ohne Einweisung und Erfahrung (die Martina hatte zumindest etwas Erfahrung in Reiten, jedoch ist es schon etwas länger her, dass sie auf einem Pferd saß). Die Pferde waren jedoch sehr gut trainiert und unterwegs gab unser Guide ein paar erklärende Antworten. Nur ein paarmal setzte das Pferd zum spontanen Galopp an. Oder einmal stellten sich die Pferde etwas auf, da kämpfende Hunde sie erschreckten. Sonst wichen die vielen Kühe und Ziegen immer aus oder liefen davon.
Ein weiterer kleiner Höhepunkt war eine abendliche Musik- und Tanzvorführung, die im Innenhof eines Museums nahe des Palastes stattfand. Leider haben wir uns keine Genehmigung zum Fotografieren gekauft, jedoch war alles sehr bunt. Neben vielen Tänzen gab es auch eine kämpferische Szene, sowie lustige Marionetten und eine 70-jährige Frau, die schwere auf ihren Kopf getragene Tonkrüge trug, die doppelt so hoch waren wie sie selbst. Zudem kam man hier mit etwas „besser gestellten“ Indern ins Gespräch.

Im Palast

Im Palast

Ebenfalls im Sommerpalast

Ebenfalls im Sommerpalast

Gulab - eine Süßspeise bestehend aus Milch und Käse, die im Zuckerwasser gekocht werden.

Gulab – eine Süßspeise bestehend aus Milch und Käse, die im Zuckerwasser gekocht werden.

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Überall gibt es in Indien kleine Stände, wo Chai-Tee für umgerechnet ca 8 Cent verkauft wird.

Überall gibt es in Indien kleine Stände, wo Chai-Tee für umgerechnet ca 8 Cent verkauft wird.

Thali (= Platte) bekommt man fast überall und ist meistens sehr günstig. Kostenloser Nachschlag gehört sich, jedoch wird das in Touristischen und teureren Restaurants immer seltener gemacht.

Thali (= Platte) bekommt man fast überall und ist meistens sehr günstig. Kostenloser Nachschlag gehört sich, jedoch wird das in Touristischen und teureren Restaurants immer seltener gemacht.

Beim Kochkurs

Beim Kochkurs

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Baustelle in der Stadt

Baustelle in der Stadt

Vor dem Museum

Vor dem Museum

Wir haben uns dort ein paar Gewürze gekauft ;)

Wir haben uns dort ein paar Gewürze gekauft 😉

Typischer Markt

Typischer Markt

Chips, Bananen und anderes Zeug werden in rießigen Woks neben der Straße frittiert.

Chips, Bananen und anderes Zeug werden in rießigen Woks neben der Straße frittiert.

Nach vier Tagen ging es weiter nach Jodhpur, die blaue Stadt. Der Name rührt von den vielen blau bemalten Fassaden der Häuser her. Dadurch sollen die Gassen kühler sein und weniger von Mücken heimgesucht werden. Hier verbrachten wir nur eineinhalb Tage und nutzten die Zeit für einen frühen Rundumgang, dem Besuch des Klockenturms und des umliegenden Platzes sowie der Festung mit seinem Palast. Der Palast war dank eines mitgegebenen Audioführers ebenfalls einen Besuch wert. Belohnt wurde zum Schluss der Besuch mit einer äußert schönen Rundumaussicht auf die blaue Stadt.

Viele Tauben überall

Viele Tauben überall

Mustache

Mustache

Christbaumkugeln. Ein Geschenk der Engländer in der Kolonialzeit

Christbaumkugeln. Ein Geschenk der Engländer in der Kolonialzeit

Wie man einen Turban bindet

Wie man einen Turban bindet

Jodhpur, die blaue Stadt von oben.

Jodhpur, die blaue Stadt von oben.

Vor dem Klockenturm

Vor dem Klockenturm

Weiter ging es mit dem Bus nach Jaisalmer, auch bekannt als die „goldene“ Stadt. Einer Empfehlung folgend, verschlug es uns in das Innere der Festung. Leider war die aufgesuchte Unterkunft voll und wir gelangten an eine sehr kleine, aber äußerst schöne Bleibe mit einem ausgezeichneten Essen, sowie einer grandiosen Aussicht. In der Festung (die vor zehn Jahren noch Einsturzgefährdet war) ist es sehr ruhig und alles für die Touristen ausgelegt. Trotz der Hauptsaison wurde die Stadt von wenigen Touristen aufgesucht, was wohl an der Geldsituation zu liegen schien. Neben einigen Havelis (besondere Häuser mit sehr ansehnlichen Verzierungen), und einem heiligen See sind hier besonders die Dromedarsafaris sehr beliebt. Diese werden überall angeboten, besonders von den Unterkünften, die deshalb besonders günstige Zimmer zur Verfügung stellen.
Da uns Reisende so eine Dromedartour empfohlen haben, machten auch wir einen Ausflug in die Tharwüste. Für einen Tag und eine Nacht in der „Wüste“ an der Grenze zu Pakistan (in Jaisalmer befindet sich einer von zwei Übergängen nach Pakistan, der andere befindet sich in Kashmir. Besonders stark ist deshalb die militärische Präsenz in der Region, aber im Gegensatz zu Kashmir momentan gut zu bereisen, da in Kashmir ein Soldat von Pakistanern gefoltert und geköpft wurde).
Auf dem Weg dorthin, besuchten wir ein vor 300 Jahrhunderten verlassenes Dorf. Die Bewohner verschwanden damals über Nacht, da sie ihre Kastentradition nicht brechen wollten. Grund war ein König, der ein Mädchen von diesem Dorf, jedoch einer anderen Kaste heiraten wollte. Die Kaste ist leider teilweise immer noch präsent und vorgegebene Ehen gehören für viele noch zur Normalität.
Ganz was Besonderes bei dem Ausflug in die Wüste war die Nacht im Freien. Hier sah man einen sehr klaren Sternenhimmel, bis mitten in der Nacht der Mond aufging. Davor gab es ein großes Abendessen sowie Musik am Lagerfeuer. Achja, und Dromedare sind coole Tiere. Wir gehen jetzt einfach mal davon aus, dass diese nicht so misshandelt werden wie Elefanten oder andere Tiere ;).
Am nächsten Tag ging es nach einem ausgiebigen Frühstück wieder zurück nach Jaisalmer, jedoch etwas schneller dank einer Abkürzung.
Ansonsten mussten wir wieder einige Zeit für die Geldbeschaffung an den Geldautomaten einplanen. Aber nach vier Tagen ging es dann weiter nach Pushkar.

Aussicht von unserer Unterkunft

Aussicht aus unserer Unterkunft

Jaisalmer von der Festung aus betrachtet.

Jaisalmer von der Festung aus betrachtet.

Im Geisterdorf

Im Geisterdorf

Kinder

Kinder

Los gehts

Los gehts

Essen wird zubereitet

Essen wird zubereitet

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang

Frauen verkaufen ihr Zeugs am Eingang zur Festung

Frauen verkaufen ihr Zeugs am Eingang zur Festung

Nach vier schönen Tagen in Jaisalmer ging es weiter nach Pushkar. Da wir etwas spontan weiterreisten, mussten wir den Nachtbus nehmen. Zum Glück bekamen wir eine Schlafkabine, nachdem wir etwas Radau gemacht haben. Denn der Bus war, als wir einstiegen, schon mehr als überfüllt. Neben dem vielen Gepäck und den Säcken auf dem Boden saßen darauf eine Menge Menschen. Auch viele Frauen mit Kindern. Wir dachten, viele würden nur kurz mitfahren und bald wieder aussteigen, wie wir es von den spontanen lokalen Bussen kannten. Jedoch wurde der Bus an den vielen Stationen, an denen er hielt, immer voller. Ich wusste davor nicht, dass man Menschen so stapeln kann. Dementsprechend wenig konnten wir schlafen und kamen mit vier Stunden Verspätung erschöpft in der kleinen Pilgerstadt Pushkar an.
Eine Woche bevor wir in Pushkar ankamen fand das Kamelfestival statt, das wir leider verpassten. Jedoch profitieren wir jetzt von sehr niedrigen Übernachtunspreisen ;).
Pushkar ist ein relativ ruhiger Ort und sehr bei Backpackern beliebt. Die Stadt umschließt einen kleinen heiligen See, der durch das Fallenlassen einer Lotusblüte von Brahma entstanden sein soll. Der See ist rundum mit Ghats zugebaut und viele Inder pilgern hier her um in diesem See zu baden.
An diesem Ort entspannen die meisten Reisenden ein paar Tage, so wie wir. Unser größtes Problem war wieder einmal Bargeld zu beschaffen. Da in Pushkar vier Tage lang keine Geldautomaten aufgefüllt wurden, entschlossen wir uns in die nahe gelegene Stadt Ajmer zu fahren und dort unser Glück zu testen. Nähe des Bahnhofs war ein Automat offen, mit einer riesen Schlange. Nachdem die Frauen sich dort eine eigene Schlange erstritten haben, konnte Martina jene nutzen. Und nachdem der Christian dem lokalen Fernsehen ein Interview gegeben hat, ohne eine Frage des Moderators, schoben ihm die einheimischen Inder aus Ajmer aus Gastfreundlichkeit an der Schlange vorbei bis an den Anfang. Nach zwei Stunden Anstehen hatten wir etwas Geld um die letzten Tage über die Runden zu kommen. Deshalb entschlossen wir uns, die letzte Stadt auszulassen und direkt nach Neu-Delhi zu fahren, damit wir nicht mehr einen halben Tag vor dem Geldautomaten verbringen müssen. Teilweise war das anstehen sehr anstrengend, besonders da Inder extrem drängeln, keine Privatsphäre kennen und wirklich keine Scheu vor sehr engem Kontakt haben.
Die letzten zwei Tage in Indien versuchten wir in Delhi u.a. unser Paket zu lokalisieren, dass wir am Anfang der Indienreise nach Deutschland geschickt hatten. Da jedoch die Deutsche Post einen Fehler verursachte und deshalb Paket einfach wieder nach Indien zurückschickte, mussten wir uns selber darum kümmern der indischen Post unsere Sachlage zu schildern. Nachdem wir im sprichwörtliche Sinne den Passierschein A38 hatten, haben wir am Ende des Tages im dritten Verwaltungsgebäude einen Zuständigen gefunden der uns helfen konnte. Leider war es der Mann nicht gewohnt, anderen Menschen zuzuhören, weshalb sich die Sache sehr lange hinzog und wir immer noch nicht wissen, wie die Sache ausgehen wird. Jedoch haben wir einen umfangreichen Einblick in das sehr analog funktionierende indische Postwesen erhalten.
Indien war zusammengefasst ein sehr faszinierendes und eindrucksvolles Land. Viele sagten zu uns, entweder man liebt oder hasst es. Wir fanden, es hat viele schöne und viele unangenehme Seiten. Indien war sehr anstrengend zu bereisen, das u.a. auch an der Geldversorgung lag. Jedoch bekamen wir mit der Zeit einen relativ guten Eindruck von diesem außergewöhnlichen Land und machten viele Erfahrungen. Viele können wir hier leider gar nicht schildern.
Nach fünf Monaten in Asien verlassen wir den Kontinent und reisen weiter nach Lateinamerika, nach Nicaragua.

Weitere Fotos zu Indien folgen bald. Uns geht langsam der Speicherplatz aus.

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